Stricken lernen für Anfänger: Schritt für Schritt zum ersten Strickstück
YelyzavetaStricken lernen für Anfänger ist leichter, als es aussieht: Jedes Strickstück besteht aus nur zwei Maschen, der rechten und der linken. In diesem Ratgeber lernst du Schritt für Schritt, wie du Maschen anschlägst, rechte und linke Maschen strickst und am Ende sauber abkettest. Du erfährst, welche Wolle und welche Nadeln sich zum Stricken lernen eignen, wie du die häufigsten Anfängerfehler behebst – und strickst zum Schluss ein Stirnband als erstes Projekt.
Stricken lernen: Das brauchst du
Für den Anfang reicht eine kleine Grundausstattung:
- Stricknadeln in 5,5 mm, gerade und etwa 30–35 cm lang. Nadeln aus Holz oder Bambus sind ideal, weil die Maschen darauf nicht so leicht herunterrutschen.
- Wolle: 1 Knäuel glatte, mitteldicke Wolle in einer hellen oder mittleren Farbe, zum Beispiel Dickes Garn Crush mit Alpaka, 180 m / 100 g in Türkis
- Wollnadel mit stumpfer Spitze zum Zusammennähen und Vernähen der Fäden
- Schere und Maßband
- Praktisch, aber nicht nötig: eine Häkelnadel in 5 mm, um gefallene Maschen wieder hochzuholen, und ein paar Maschenmarkierer
Welche Nadelstärke passt?
Die Zahl auf der Stricknadel ist ihr Durchmesser in Millimetern. Welche Stärke zu einem Garn passt, steht auf der Banderole und bei jedem unserer Garne auf der Produktseite. Zum Stricken lernen eignen sich mitteldicke Garne mit etwa 150–200 m pro 100 g und Nadeln in 5–6 mm am besten: Die Maschen sind groß genug, dass du sie gut erkennst, und das Strickstück wächst schnell. Eine ausführliche Tabelle findest du im Ratgeber Welche Wolle für Nadelstärke 5, 6 und 8?
Welche Wolle eignet sich zum Stricken lernen?
Mit der richtigen Wolle gelingen die ersten Reihen viel leichter. Achte auf diese Punkte:
- Glatt: Ein glatter Faden spaltet sich kaum, und du siehst jede Masche auf der Nadel.
- Mitteldick: 150–200 m pro 100 g. Mit dünnem Garn dauert es lange, bis du ein Ergebnis siehst – das kostet am Anfang viel Geduld.
- Hell bis mittel: Auf hellen Farben erkennst du die einzelnen Maschen viel besser als auf Schwarz oder Dunkelblau.
- Mit Wollanteil: Wolle ist elastisch und gleicht kleine Unterschiede in der Fadenspannung aus.
- Nicht flauschig: Mohair, Bouclé und Glitzergarne verdecken die Maschen. Heb sie dir für das zweite oder dritte Projekt auf.
Unsere Garne zum Stricken lernen
Dickes Garn Crush mit Alpaka, 180 m / 100 g – 15 % Alpaka, 15 % Wolle, 70 % Polyacryl, Nadelstärke 5–6 mm, 5 Farben. Leicht, glatt und gleichmäßig einfarbig, sodass du jede Masche siehst. Für dieses Garn ist das Stirnband weiter unten berechnet.
Reine Schurwolle Sabine, 175 m / 100 g – 100 % Schurwolle (Shetland), Nadelstärke 4,5–5,5 mm, in Rosa. Shetlandwolle ist etwas griffig: Die Maschen haften leicht aneinander und rutschen nicht so schnell von der Nadel.
Schurwolle Ronan, 160 m / 100 g – 78 % Schurwolle, 22 % Polyamid, Nadelstärke 5–6 mm, 18 Farben. Die Wolle ist elastisch und verzeiht ungleichmäßige Maschen. Nach dem ersten Waschen wirkt das Maschenbild deutlich ruhiger.
Dickes Garn Milana mit Wolle, 130 m / 100 g – 45 % Wolle, 55 % Polyacryl, Nadelstärke 6,5–7 mm, in Weiß. Sehr große Maschen, die du kaum übersehen kannst. Gut, wenn du schnell ein Ergebnis sehen willst, etwa bei einem dicken Schal oder einer Kissenhülle.
Weitere Garne findest du in unseren Kategorien Dicke Wolle und Schurwolle sowie im Filter Nadelstärke 5–6 mm.
Stricknadeln und Faden richtig halten
In Deutschland strickt man meist kontinental: Der Faden liegt über dem linken Zeigefinger, und die rechte Nadel holt ihn sich. Bei der englischen Strickweise führt die rechte Hand den Faden und legt ihn um die Nadel. Beide Arten ergeben dasselbe Maschenbild. In diesem Ratgeber beschreiben wir die kontinentale Strickweise.
- Die Nadel mit den Maschen hältst du in der linken Hand, die leere Nadel in der rechten.
- Den Arbeitsfaden, der zum Knäuel führt, legst du von hinten über den linken Zeigefinger und wickelst ihn einmal locker um den kleinen Finger. So bleibt die Spannung gleichmäßig.
- Mit Daumen und Mittelfinger der linken Hand schiebst du die Maschen nach vorne zur Nadelspitze.
Am Anfang fühlt sich das ungewohnt an. Nach ein paar Reihen findet deine Hand ihre eigene Haltung. Auch Linkshänderinnen und Linkshänder kommen mit der kontinentalen Strickweise meist gut zurecht, weil hier die linke Hand den Faden führt.
Maschen anschlagen: der Kreuzanschlag
Der Kreuzanschlag, auch Daumenanschlag genannt, ist der gebräuchlichste Maschenanschlag. Er ergibt einen festen und trotzdem dehnbaren Rand, der zu Schals, Mützen und Pullovern gleichermaßen passt.
- Fadenende abmessen: Lass ein Fadenende hängen, das etwa dreimal so lang ist wie die Breite deines Strickstücks, plus 15 cm zum Vernähen. Für das Stirnband unten sind das rund 50 cm.
- Anfangsschlinge: Leg an dieser Stelle eine Schlinge, zieh den Arbeitsfaden hindurch und setz die Schlinge auf die Nadel. Sie ist deine erste Masche.
- Fäden aufnehmen: Halte die Nadel in der rechten Hand. Leg das Fadenende über den linken Daumen und den Arbeitsfaden über den linken Zeigefinger. Beide Fäden hältst du mit den übrigen Fingern in der Handfläche fest, zwischen Daumen und Zeigefinger entsteht ein V.
- Einstechen: Fahr mit der Nadel von unten in die Schlinge um den Daumen.
- Faden holen: Hol mit der Nadel von oben den Faden, der vom Zeigefinger kommt, und zieh ihn durch die Daumenschlinge zurück.
- Anziehen: Lass die Schlinge vom Daumen gleiten, nimm das Fadenende wieder auf und zieh die neue Masche sanft an. Sie soll sich auf der Nadel noch verschieben lassen.
Wiederhole die Schritte 4 bis 6, bis genug Maschen auf der Nadel liegen. Wird dein Anschlag zu fest, schlägst du mit einer 1 mm dickeren Nadel an und strickst dann mit der richtigen Stärke weiter.
Rechte Maschen stricken
Die rechte Masche ist die wichtigste Masche überhaupt. Der Faden liegt dabei hinter der Arbeit.
- Nimm die Nadel mit den Maschen in die linke Hand. Der Faden liegt hinter der Nadel über deinem Zeigefinger.
- Stich mit der rechten Nadel von links nach rechts vorne in die erste Masche ein, sodass die rechte Nadel hinter der linken liegt.
- Hol mit der rechten Nadelspitze den Faden von oben und zieh ihn nach vorne durch die Masche.
- Lass die alte Masche von der linken Nadel gleiten. Die neue Masche sitzt jetzt auf der rechten Nadel.
Hast du alle Maschen abgestrickt, tauschst du die Nadeln: Die volle Nadel kommt in die linke Hand, und die nächste Reihe beginnt.
Linke Maschen stricken
Bei der linken Masche liegt der Faden vor der Arbeit. Sie ist die Rückseite der rechten Masche: Was auf der einen Seite wie eine rechte Masche aussieht, ist auf der anderen eine linke.
- Leg den Faden vor die linke Nadel.
- Stich mit der rechten Nadel von rechts nach links vorne in die erste Masche ein. Die rechte Nadel liegt jetzt vor der linken.
- Leg den Faden von oben nach unten um die rechte Nadelspitze. Mit dem linken Zeigefinger kannst du ihn dabei leicht nach unten drücken.
- Zieh den Faden nach hinten durch die Masche und lass die alte Masche von der linken Nadel gleiten.
Linke Maschen fühlen sich anfangs für viele umständlicher an. Übe sie ruhig ein paar Reihen lang, bevor du mit Mustern weitermachst.
Randmaschen: der saubere Rand
Die erste und die letzte Masche jeder Reihe heißen Randmaschen. Sie bilden die Kante deines Strickstücks. Zwei Varianten sind üblich:
- Knötchenrand: Du strickst die erste und die letzte Masche jeder Reihe rechts. Am Rand entstehen kleine Knötchen. Er passt zu kraus rechts und ist am einfachsten.
- Kettrand: Du hebst die erste Masche jeder Reihe wie zum Linksstricken ab, der Faden liegt dabei vor der Arbeit. Danach legst du den Faden dorthin, wo du ihn für die nächste Masche brauchst. Die letzte Masche strickst du rechts. Am Rand entsteht eine glatte Kette aus langen Maschen, ideal zum Zusammennähen und Maschenaufnehmen.
Kraus rechts, glatt rechts und Rippen: die Grundmuster
Aus rechten und linken Maschen entstehen alle Strickmuster. Diese vier solltest du kennen:
| Muster | So strickst du es | Aussehen | Typisch für |
|---|---|---|---|
| Kraus rechts | Hin- und Rückreihen rechts | Querrippen auf beiden Seiten, rollt sich nicht ein | Stirnbänder, Schals, Babydecken |
| Glatt rechts | Hinreihen rechts, Rückreihen links | Vorne kleine V, hinten Querbögen, die Ränder rollen sich ein | Pullover, Mützen, Strickjacken |
| Rippen | Rechte und linke Maschen im Wechsel, zum Beispiel 2 re, 2 li. In der Rückreihe strickst du die Maschen, wie sie erscheinen. | Senkrechte Rippen, sehr dehnbar | Bündchen, Mützenränder, Stirnbänder |
| Perlmuster | 1 re, 1 li im Wechsel, in jeder Reihe um eine Masche versetzt | Körnige Fläche, rollt sich nicht ein | Schals, Decken |
„Wie sie erscheinen“ heißt: Siehst du auf der linken Nadel eine Masche mit einem V, strickst du sie rechts. Siehst du einen Querbogen, strickst du sie links. Diese Regel brauchst du in fast jeder Anleitung. Den Schal im Perlmuster erklären wir ausführlich im Ratgeber Schal stricken für Anfänger.
Abketten: die letzte Reihe
- Stricke die ersten 2 Maschen der Reihe im Muster.
- Stich mit der linken Nadelspitze in die zuerst gestrickte Masche, also die, die weiter von der Spitze entfernt liegt. Zieh sie über die zweite Masche und über die Nadelspitze.
- Jetzt liegt 1 Masche auf der rechten Nadel. Stricke die nächste Masche und zieh die vordere wieder über die hintere.
- Wiederhole das, bis nur noch 1 Masche übrig ist. Schneide den Faden mit etwa 15 cm Rest ab und zieh ihn durch die letzte Masche.
Kette locker ab, sonst zieht sich der Rand zusammen. Wird er zu fest, nimmst du zum Abketten eine Nadel, die 1 mm dicker ist.
Häufige Fehler beim Stricken lernen – und wie du sie behebst
- Plötzlich mehr Maschen: Meist liegt der Faden vor dem Einstechen versehentlich über der Nadel, oder die erste Masche sieht doppelt aus, weil du den Faden über die Nadel nach hinten gezogen hast. Zähl nach jeder Reihe deine Maschen.
- Weniger Maschen: Eine Masche ist von der Nadel gerutscht, oder du hast zwei Maschen zusammen gestrickt. Eine gefallene Masche läuft nach unten als Laufmasche – hol sie mit einer Häkelnadel Reihe für Reihe wieder hoch.
- Löcher: Sie entstehen, wenn der Faden beim Wechsel zwischen rechten und linken Maschen über die Nadel wandert statt zwischen den Nadelspitzen hindurch.
- Zu fest gestrickt: Kommst du kaum in die Maschen hinein, bildest du die neuen Maschen auf der dünnen Nadelspitze. Schieb sie gleich nach dem Stricken auf den dicken Teil der Nadel.
- Ungleichmäßiges Maschenbild: Am Anfang ganz normal. Nach dem ersten Waschen wirkt es ruhiger, und mit jedem Projekt wird deine Fadenspannung gleichmäßiger.
Fehler entdeckt? Du kannst Masche für Masche zurückstricken: Stich mit der linken Nadel von vorne in die Masche unter der Masche auf der rechten Nadel und lass die obere fallen. Bei größeren Fehlern ziehst du die Nadel heraus, ribbelst bis unter den Fehler auf und nimmst die Maschen wieder auf.
Erstes Projekt: Stirnband stricken für Anfänger
Ein Stirnband in kraus rechts ist das perfekte erste Projekt: Du übst Anschlag, rechte Maschen und Abketten, brauchst keine einzige linke Masche und bist an einem Abend fertig. Kraus rechts ist in der Länge dehnbar, rollt sich nicht ein und sieht auf beiden Seiten gleich aus.
Material: 1 Knäuel Dickes Garn Crush mit Alpaka in Türkis (du brauchst nur etwa die Hälfte), Stricknadeln 5,5 mm, Wollnadel
Größe: Kopfumfang 52–56 cm, Breite ca. 11 cm
Abkürzungen: M = Masche(n), R = Reihe(n), re = rechts, li = links
- Anschlag: Schlage im Kreuzanschlag 18 M an.
- Stricken: Stricke alle Reihen rechts, auch die erste und die letzte Masche (Knötchenrand). Nach jeweils 2 Reihen siehst du eine neue Querrippe.
- Länge: Stricke, bis das Band ungedehnt 46–48 cm lang ist. Leg es zur Probe um den Kopf: Es soll leicht gedehnt anliegen, ohne zu drücken.
- Abketten: Kette alle M locker rechts ab und lass einen etwa 30 cm langen Faden hängen.
- Schließen: Leg Anschlag- und Abkettkante aneinander, ohne das Band zu verdrehen. Nähe sie mit dem langen Faden und der Wollnadel zusammen, indem du abwechselnd durch je eine Masche der einen und der anderen Kante stichst. Zieh den Faden nur so fest an, dass die Kanten aneinanderliegen.
- Fertigstellen: Vernähe alle Fäden auf der Innenseite. Wasch das Stirnband von Hand bei höchstens 30 °C, drück es vorsichtig aus, ohne zu wringen, und lass es liegend trocknen.
Variante mit Twist: Falte vor dem Schließen beide Enden der Länge nach zur Hälfte, hake die gefalteten Enden ineinander und nähe durch alle vier Lagen. Dreh das Band dann so, dass die Naht innen liegt.
Variante in Rippen: Wenn du linke Maschen üben möchtest, schlägst du 20 M an. Hinreihe: 1 Randmasche re, *2 M re, 2 M li*, bis noch 3 M übrig sind, dann 2 M re und 1 Randmasche re. Rückreihe: 1 Randmasche re, die übrigen Maschen strickst du, wie sie erscheinen, die letzte M re. Das Rippenband ist noch dehnbarer und sitzt schön eng am Kopf.
Wie geht es weiter? Ideen für die nächsten Projekte
- Schal: Ein Schal im Perlmuster übt rechte und linke Maschen im Wechsel – Schritt für Schritt erklärt in Schal stricken für Anfänger.
- Mütze: Mit einer Rundstricknadel strickst du in Runden. Die Anleitung findest du in Mütze stricken für Anfänger.
- Maschenprobe: Bevor du etwas strickst, das passen muss, lohnt sich eine Maschenprobe: Maschenprobe richtig stricken.
- Pullover: Ein Pullover mit überschnittenen Schultern besteht aus geraden Teilen und eignet sich gut als erstes großes Projekt: Pullover stricken für Anfänger.
Du arbeitest lieber mit einer Nadel? Dann wirf einen Blick in unseren Ratgeber Häkeln für Anfänger.
Beispiele zur Inspiration
So können deine ersten Strickstücke aussehen – in Farben, die es auch bei unseren Garnen gibt.

Stirnband in Türkis
Passendes Garn: Dickes Garn Crush mit Alpaka in Türkis

Kissenhülle in Weiß
Passendes Garn: Dickes Garn Milana mit Wolle in Weiß

Rippenschal in Gelb
Passendes Garn: Schurwolle Ronan in Gelb

Rippen-Stirnband in Rosa
Passendes Garn: Reine Schurwolle Sabine in Rosa
Hinweis: Die Bilder in diesem Abschnitt sind KI-generierte Beispiele zur Inspiration.
Häufige Fragen zum Stricken lernen
Wie lange dauert es, stricken zu lernen?
Den Anschlag und die rechte Masche schaffen die meisten am ersten Abend. Nach zwei, drei kleinen Projekten sitzt die Fadenspannung, und du kannst dich an eine Mütze oder einen Pullover wagen.
Ist Stricken oder Häkeln leichter zu lernen?
Beim Häkeln hast du nur eine Schlinge auf der Nadel, beim Stricken eine ganze Reihe Maschen. Viele finden Häkeln deshalb anfangs leichter. Gestrickter Stoff ist dafür weicher und dehnbarer – lernen lässt sich beides gut.
Welche Stricknadeln sind für Anfänger am besten?
Gerade Nadeln aus Holz oder Bambus in 5–6 mm. Auf ihnen rutschen die Maschen nicht so schnell herunter wie auf glatten Metallnadeln.
Was soll ich als Erstes stricken?
Ein Stirnband oder einen Schal in kraus rechts. Beides ist gerade, verzeiht kleine Fehler und ist schnell fertig.
Kann ich mir Stricken selbst beibringen?
Ja. Mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung, einem glatten, hellen Garn und etwas Geduld lernen viele das Stricken ganz allein.
Deine Wolle zum Stricken lernen schicken wir dir aus Görlitz, innerhalb Deutschlands ohne Versandkosten. Viel Freude mit deinen ersten Maschen!



